Laubü-Verleihung 2015: Yitzhak Heinrich Steiner, Elisabeth Linke, (GGG e.V.), Dorothea Werner und Richard Brenner (Musikschule)

Er lebt Verständigung und Toleranz: Christa Jerg überreichte Yitzhak Heinrich Steiner den „Laubü“ in Gold.

„Einmal Laupheim und zurück“ fährt die kleine Eisenbahn in dem Lied, mit dem der Kinderchor der städtischen Musikschule Gregorianum am Sonntag die Feier zur Verleihung des „Laubü“ eröffnet hat. Damit würdigt die Laupheimer Bürgerstiftung bürgerschaftliches Engagement für Laupheim. Die Auszeichnung in Silber erhielten Dorothea Werner und Richard Brenner von der Musikschule und Elisabeth Lincke, Vorsitzende der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken (GGG). Den „Laubü“ in Gold bekam Yitzhak Heinrich Steiner überreicht.

 

„Weshalb ausgerechnet ich?“, hätten die Geehrten gefragt und sogleich die Gruppe, für die sie stehen, in den Mittelpunkt gestellt, berichtete Michael Roosz, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. Die Strahlkraft der Auszeichnung solle andere Bürger dazu animieren, es ihnen gleich zu tun. „Jeder persönliche Einsatz für das Gemeinwesen lohnt sich“, betonte Roosz. Bürgermeister Rainer Kapellen hob das „übergroße Engagement“ der neuen Laubü-Preisträger hervor, mit dem diese seit vielen Jahren die Erinnerung an Antisemitismus, Nationalsozialismus und Rassismus in Laupheim wach hielten. „Vor allem die junge Generation profitiert von Ihrem Engagement.“

 

Eine erfüllende Aufgabe

 

Die Laudatio auf Elisabeth Lincke hielt Michael Niemetz, der Leiter des Museums zur Geschichte von Christen und Juden. „Tue Gutes ohne zu schielen“, zitierte er ein chinesisches Sprichwort, das seit vielen Jahren von der GGG eingelöst werde. 1998 trat Elisabeth Lincke die Nachfolge des im September verstorbenen Udo Bayer an, ein Jahr zuvor war die GGG gegründet worden. Seither sei vieles gelungen, sagte Niemetz. Zum Beispiel das Museum, das ohne die Beiträge der GGG so nicht denkbar sei, 2008 die Herausgabe des Gedenkbuchs „Die jüdische Gemeinde und ihre Zerstörung“, und 2011 die Anschaffung von Audioguides für die Dauerausstellung. Sie fühle sich geehrt und beschenkt, sagte Elisabeth Lincke und bekannte: „Gerne erfülle ich diese Aufgabe, aber sie erfüllt auch mich.“

Richard Brenner, dem „Motor, Vordenker und unermüdlichen Antreiber der Erfolgsstory Musikschule Gregorianum“, und seiner Stellvertreterin Dorothea Werner galten die Dankesworte von Frank Schneider. Mit ihrem Einsatz und ihrer Arbeit bereicherten sie nicht nur das Leben der Kinder, sondern auch das kulturelle Leben Laupheims. Gemeinsames Musizieren fördere Teamgeist und soziale Kompetenzen; Konzerte und preisgekrönte Musicals seien Beleg, dass am Gregorianum hervorragende Arbeit geleistet werde. Brenner und Werner nahmen die Auszeichnung für das ganze Musikschulteam an und betonten, die eigentliche Belohnung sei die Rückmeldung von Kindern und Jugendlichen, für die die Zeit am Gregorianum prägend gewesen sei. „Dann haben wir unser Ziel erreicht.“

Geradlinig, mit nimmermüdem Einsatz widme sich Yitzhak Heinrich Steiner der Erinnerung an die jüdische Gemeinde Laupheims, sagte die Laudatorin des Gold-Preisträgers, Christa Jerg. Jüngstes Beispiel seiner Verbundenheit mit Laupheim sei sein Engagement für die Renovierung des Hauses am jüdischen Friedhof sowie für das Laupheimer Museum, an dessen Aufbau er schon seit den 1990ern wesentlich beteiligt gewesen sei. „Sie leben die Werte Verständigung und Toleranz aus tiefer persönlicher Erfahrung“, sagte Jerg.

 

Wieder ein Laupheimer

 

Er sei glücklich, die Werte seiner Familie weiterzuführen, sagte Steiner, dessen Vater Helmut seine Heimatstadt Laupheim verlassen musste und als einer der Ersten nach 1945 zurückkehrte. Obwohl er seit langer Zeit in der Schweiz lebe und seit 50 Jahren israelischer Staatsbürger sei, nehme er die Auszeichnung an „in dem Bewusstsein, wieder ein Laupheimer zu sein“. Stehende Ovationen.

 

Bericht aus der Schwäbischen Zeitung Laupheim

https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-biberach/laupheim_artikel,-laubue-wuerdigt-buergerschaftliches-engagement-_arid,10343001.html


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